Rhetorikseminar „Argumente zaubern und entzaubern“


Am 19. Mai trafen sich 25 SDWler aus verschiedenen Regionalgruppen mit 9 Mitgliedern des Debattierclubs Heidelberg e.V. (www.heidelberg-debaiting.de), um sich unter dem Motto „Argumente zaubern und entzaubern“ mit der Kunst des Debattierens in Theorie und Praxis auseinander zu setzen.
Um 10 Uhr kamen wir in Seminarräumen der Uni Mannheim, in den Mannheimer Quadraten, die an diesem Wochenende in die friedliche Atmosphäre des Katholikentags eingehüllt waren, zusammen und bekamen nach der Begrüßung eine kurze Einführung in die Grundlagen der Rhetorik durch Mitstipendiat Andreas Rief geboten. Dabei ging dieser kurz auf die Bedeutsamkeit der Redekunst für die verschiedensten Bereiche unseres Lebens ein und zeigte uns dann eine Möglichkeit auf, diese Phänomene zu kategorisieren.
Anschließend stellten sich die 9 Referenten des Debattierclubs dann vor und weihten uns in den speziellen Modus des Debattierens ein, der für die weitere praktische Arbeit an diesem Tag grundlegend sein sollte. Bei diesem Modus, der in Debattierclubs angewandt wird, dient eine imaginäre Auseinandersetzung einer Regierung mit einer Opposition als Modell. Wobei die beiden Streitparteien um eine Gruppe freier Redner ergänzt werden, die sich jeweils einer der beiden konträren Positionen anschließen können. Die Debatte ist dabei auf Agonalität und nicht auf Konsenssuche angelegt und folgt strikten Regeln insbesondere was die Zeiteinteilung betrifft.
Nachdem dieser Modus erläutert worden war, wurde er in Form einer Showdebatte durch den Debattierclub schließlich vorexerziert. Dabei bekamen wir als Teilnehmer einen lebendigen Eindruck davon, was es bedeutet, geschickt und effektvoll zu debattieren und welche Faktoren hierbei eine besondere Rolle spielen. So fiel es bei manchen Rednern eher schwer ihnen mit voller Aufmerksamkeit zu folgen, während andere es verstanden das Auditorium regelrecht in ihren Bann zu ziehen.
Diese Eindrücke wurden nach einer kurzen Kaffeepause dann in Workshopgruppen reflektiert und in theoretische Betrachtungen zum Debattieren miteinbezogen. Hierzu wurden drei Gruppen gebildet, von denen sich jede auf eine der drei im o.g. Modus angelegten Rollen – also Regierung, Opposition und freie Redner – vorbereiten sollte, um auf den End- und Höhepunkt des Seminars, die große Debatte der Teilnehmer, hinzuarbeiten.
Nachdem also die verschiedenen fürs Debattieren relevanten Faktoren und Techniken erörtert worden waren, machte sich jede Gruppe an die konkrete Vorbereitung auf ihre Position in der Schlussdebatte. Da das Thema für diese Debatte ein Regierungsantrag auf Einführung einer Finanztransaktionsteuer sein sollte, mussten selbstverständlich zunächst intensiv die Pros und Contras für diesen Antrag diskutiert werden, um sich nicht nur auf die eigene Position, sondern auch auf die der Gegner vorzubereiten. Anschließend machten sich die Gruppen an die Ausarbeitung ihrer Argumente, indem sie nach geeigneten rhetorischen Mitteln, wie Antithesen, Vergleichen und Metaphern suchten, die jeweils drei Freiwillige dann in der Schlussdebatte vor dem Plenum präsentieren sollten.
Nach dieser anregenden und inspirierenden Arbeit ging es dann in die Mittagspause, die ein Großteil der Teilnehmer in der entspannten Atmosphäre eines nahegelegenen Biergartens verbrachte. Dass es dort durch den großen Besucherstrom zu einer nicht eingeplanten Verlängerung der Mittagspause kam, störte dabei kaum.
Frisch gestärkt ging es, nachdem die geplanten Redebeiträge noch den Feinschliff erhalten hatten, dann im Plenum wieder ans Werk. Nun kam es zum „Showdown“, zum großen Auftritt der 9 Freiwilligen, die nun vor Publikum ihre Debattierkünste erproben konnten. Das Manko dieses Formats, das nicht allen Teilnehmern eine Beteiligung an der Schlussdebatte ermöglichte, wurde dabei durch die Faszination über die unerwartet hohe Qualität der Redebeiträge und den hinzukommenden großen Unterhaltungsfaktor der Debatte weit ausgeglichen. Es war wirklich beeindruckend zu erleben, welch große Ressourcen doch unter den SDWlern immer wieder zu Tage treten.
Nachdem es in den Workshopgruppen noch eine ausführliche Feedbackrunde gegeben hatte, schlossen wir im Plenum und machten uns gegen 17 Uhr nach einem ereignisreichen Tag alle etwas „erledigt“ aber dennoch inspiriert und beeindruckt auf den Heimweg.

Seminarorganisation: Simone Born, Sören Reinhardt, Andreas Rief, Golo Storch, Daniel Teichmann, Tobias Theis
Bericht: Daniel Teichmann

Seminarteilnehmer: Witali Bytschkow (Koblenz-Bonn), Josefa Dengler, Enrico Farinato, Caroline Fündling (Gießen-Marburg), Cornelia Gakstatter, Bianca Grone, Marvin Hahn (Saarbrücken), Michael Höh (Kaiserslautern), Dagmar Jamiolkowski (Externe), Isabelle Lux, Ann-Kathrin Mahler, Susanne Martin (Freiburg), Vanessa Münch, Stefan Räpple (Freiburg), Daniel Schöpe, Sandra Weber (Trier), Nora Wienfort (Freiburg), Ewa Wolf, Christian Wölfelschneider (Mainz)